SPD Köpenick-Nord

Chance für Riviera und Gesellschaftshaus

Stadtentwicklung

Wird Grünau nur noch Schlafstadt für Besserverdienende? So wurde im Zusammenhang mit der weiteren Entwicklung der Denkmäler Riviera und Gesellschaftshaus diskutiert. Zum Glück war der Ortsteil nie eine Schlafstadt, sondern gerade durch das Bürgerhaus ein Ort kulturellen Lebens nach 1990. Grünau ist aber auch geprägt von Einfamilien- und Reihenhäusern, nicht vom klassischen Geschosswohnungsbau und damit dünner besiedelt als anderswo. Die Bindungen zum Ort sind stärker in Einfamilienhausgegenden, schon allein, weil weniger umgezogen wird. Deshalb hängen völlig berechtigt viele Emotionen an historischen Stätten wie die einstigen Tanz- und Vergnügungsstätten Riviera und Gesellschaftshaus.

Nach jahrzehntelangem Leerstand gibt es hier ein neues Konzept, das radikal mit der ursprünglichen Nutzung bricht – es wird ein Wohnort für Senioren. „Die Kritik und die Ungeduld der Bürger bezüglich der Entwicklung des Standortes kann ich mehr als nachvollziehen. Der Vollständigkeit halber sei aber erwähnt, dass der Bezirk hier Fehlentwicklungen ausbaden muss, die Anfang der neunziger Jahre eingeleitet wurden – mit der Vermögenszuordnung dieser einstigen Ausflugs- und Tanzlokale zum Bund und dem dortigen Desinteresse an der Entwicklung des Ortes und Schwerpunktsetzung auf eine Vermarktung, egal, was mit den Denkmalen passiert. Das hat der Spekulation Tür und Tor geöffnet. Ich bin mir sicher, dass sich bei einer Zuordnung der Objekte zum Land oder Bezirk ein anderes Engagement entwickelt hätte. Die Kaufverträge ohne Bauverpflichtungen hat jedenfalls nicht der Bezirk zu verantworten und darauf auch keinen Einfluss gehabt“, sagte Bezirksbürgermeister Oliver Igel dazu.

Der vorherigen Eigentümerin war das Denkmal völlig egal. „Es gehört aber zur Wahrheit dazu, dass das Bezirksamt mit seiner Unteren Denkmalbehörde über Jahre Druck auf die Privateigentümerin ausgeübt hat, um das Denkmal zu sichern“, sagte Igel, der als Finanzstadtrat immer wieder die erforderlichen finanziellen Mittel für Riviera und Gesellschaftshaus zur Verfügung gestellt hat. In einem in Berlin einmaligen Fall ist die Untere Denkmalbehörde über Jahre mit immer neuen Anordnungen und sogar Ersatzvornahmen in das Privatobjekt gegangen, um das Denkmal nicht dem Verfall preiszugeben. Die Eigentümerin hat sich wegen angeblich zu weitgehender Forderungen des Bezirks immer wieder an das Gericht gewandt und so ziemlich jede Denkmalanordnung des Bezirks beklagt. Zum Teil musste sich der Bezirk mit der Polizei Zutritt zum Gelände verschaffen und hat es erreicht, dass Saaldecken mit Gerüsten vor dem Absturz gerettet wurden. „Das Denkmal drohte komplett zu zerfallen und die Denkmaleigenschaft wäre verloren gegangen – einer völligen Neubebauung hätte man sich dann nicht mehr verschließen dürfen. Deshalb war es immer wieder das Bestreben des Bezirks, die Denkmalsubstanz gegen den Willen der Eigentümerin zu sichern. Für den dabei betriebenen personellen und finanziellen Aufwand des Bezirksamtes wird man in Berlin kein vergleichbares Beispiel finden“, sagte Igel.

Jetzt gibt es einen ernsthaft am Objekt interessierten Eigentümer des Geländes, weitere haben sich auch nicht gemeldet. So konnte es auch keine Auswahl verschiedener Konzepte geben. Es musste eine Nutzung gefunden werden, welche die Sicherung und den Erhalt eines wesentlichen Teils des Denkmals ermöglicht. Leider bleibt nur ein denkmalgeschützter Saal bestehen – dieser wird aber auch für die Öffentlichkeit zugänglich sein. Der zweite Saal bleibt zwar erhalten, durch die innere Bebauung ist er aber nicht so wie früher zu besichtigen. Die denkmalgeschützte Veranda bleibt ebenso erhalten, zudem bestehen die Gebäude in ihrer Kubatur fort; ihre Fassaden werden denkmalgerecht saniert.

Ebenso wird es einen öffentlichen Uferweg geben. Nach Jahrzehnten eines abgeschlossenen Denkmalbereichs, wird dieses Gelände erstmals wieder restauriert und für die Bevölkerung erreichbar. „Das ist doch ein Erfolg – auch wenn wir nicht alles bekommen haben, ist das allemal viel mehr als die Aussicht auf ein bald zusammenfallendes Denkmal. Ich glaube, dass dies die letzte Chance für Riviera und Gesellschaftshaus war – weitere Jahre ohne dauerhafte Sicherung und Nutzung hätten den sicheren Untergang des Denkmals bedeutet“, sagte Igel.

 

Homepage Oliver Igel

 
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