Der Garten des "Hauses der kleinen Strolche" ist wunderschön groß.
Bezirksbürgermeister Oliver Igel schlüpfte in die Arbeit von Erziehern
Bereits zum zweiten Mal habe ich als Bezirksbürgermeister ein Tagespraktikum in einer Kita gemacht – nicht nur für Fotos, sondern mit einem ganzen Tag Arbeit und natürlich vielen Gesprächen. Und das
Handy blieb den ganzen Tag verschlossen in der Tasche.
Dieses Mal war ich „Haus der kleinen Strolche“ in der Kaulsdorfer Straße. Dort bin ich toll aufgenommen worden. Der Kita-Eigenbetrieb Südost hat mich entsprechender Eigenbetriebs-Jacke ausgestattet, aber ich wäre wohl auch ohne als Erwachsener erkennbar gewesen. Die Jacke jedenfalls
war am Ende des Tages voller Buddelkastensand. In der Gruppe, in der ich eingesetzt war, waren drei- bis sechsjährige Kinder. Ich habe bemerkt, wie wichtig es sowohl für die Kleineren als auch für die Größeren ist, dass sie unterschiedlichen Alters sind, weil sie Verantwortung übernehmen und sich auch etwas abschauen. Sie sitzen nebeneinander, basteln und bauen zusammen, sie hören beim Vorlesen zu, sie räumen gemeinsam auf. Faszinierend war wieder, wie die Kinder in der Kita Regeln beherrschen und ihnen folgen. Man merkt da wieder: es ist eine andere Welt: Da wird aufgeräumt, der Tisch gedeckt und abgewischt. Wenn das doch so zu Hause und überhaupt im weiteren Leben klappen würde! Ja, überhaupt die Vorschüler: es war eine Freude, ihnen zuzusehen und mit ihnen zu sprechen. Wenn man bedenkt, wie viel Zeit noch bis zum Schuljahresbeginn im September ist: die Jungs und Mädchen könnten auch morgen schon in die Schule und werden bis dahin trotzdem noch einen ordentlichen Sprung in der Entwicklung machen. An ihnen sind sicherlich auch für die Erzieherinnen die Erfolgserlebnisse der Entwicklung in der Kita festzumachen – und das ist ja im Kern auch eine der größten Freuden an dem Beruf: die Entwicklungserfolge zu sehen. Die
Fortschritte, die manchmal Tag für Tag gelingen und zeigen, wie schnell die Zeit vergeht. „Und morgen zieht er aus“, heißt es so schön. Aber dazwischen ist so viel Entwicklung, dass man das jeden Tag aufschreiben müsste, um nichts zu verpassen.
Die Vorschüler haben sich draußen im Garten (der wunderschön ist!) zwar ordentlich gestritten im Spiel, aber das gehört dazu. Mit den anderen konnte ich im Sandkasten eine Vielzahl unterschiedlicher Kuchen backen (Apfelkuchen, Erdbeerkuchen – auch wenn da die Saison ja vorbei ist, aber die Form war einfach da). Und dass auch da die letzten Kinder anstandslos sämtliche Utensilien aus dem Sandkasten in die richtige Kiste einräumen – faszinierend.
Aber es gab auch bedrückende Momente. Ein Mädchen aus einer Flüchtlingsunterkunft konnte sich nicht gut in das Kitaleben eingewöhnen und weinte viel. Nur ein anderes Mädchen aus der Flüchtlingsunterkunft konnte sie trösten. Ganz bedrückend war aber ein (deutsches) Kind mit
Entwicklungsverzögerung. Der Junge hat es sehr schwer, seine Bedürfnisse deutlich zu machen. Er wich mir den ganzen Tag nicht von der Seite. Ich habe das sehr gern gemacht – hier wurde mir klar, wie wichtig hier eine sehr enge Betreuung wäre, für die mit Sicherheit auch eine 1:4-Betreuung für Inklusionskinder nicht ausreicht. Eine 1:1-Betreuung, die sicherlich für den Jungen den größten Erfolg versprechen würde, ist gleichzeitig komplett unrealistisch. Es hat mich ziemlich beschäftigt, was aus dem Jungen wird. Hier wird jedem klar, wie hart am Ende der Beruf der Erzieher ist: ja, sie können sich an der Entwicklung vieler Kinder zu den Großen erfreuen, aber viele Kinder benötigen ganz viel Hilfe, liebevolle Zuwendung, Zeit, Geduld, Motivation – und einfach Ansprache. Und ich verstehe, dass das bedrückend für Erzieher ist, wenn sie die Zeit dafür nicht bekommen. Das muss bundesweit ein Thema werden, denn bei aller Kritik hat Berlin im Gegensatz zu anderen Bundesländern noch einen besseren Betreuungsschlüssel – also wie viele Erzieher wie viele Kinder pädagogisch begleiten. Am Ende wird aber nicht ein Schlüssel ausreichen – sondern genügend Menschen, die den Job
machen wollen. Eine Empfehlung ist diese Arbeit auf jeden Fall!
Gesprächsthema war natürlich auch die Situation der Kita, die sehr viele Plätze frei hat. Aber sie machen sich viele Gedanken darüber, wie sie mit der sinkenden Nachfrage nach bestimmten Plätzen umgehen und haben Ideen, beispielsweise mit einer neuen Krippengruppe, wie die Kita verändert den aktuellen Bedingungen angepasst werden kann. Kinder sind und bleiben ein Geschenk – seien wir also dankbar für jeden Erzieher, der sich um unsere Kinder so professionell kümmert.