Die friedliche Revolution in der DDR ist jetzt 35 Jahre her. Zu der Revolution gehörte die Gründung von neuen Parteien, jenseits der DDR-Blockparteien. Eine dieser Neugründungen war die Sozialdemokratische Partei in der DDR, die am 7. Oktober 1989 als SDP gegründet wurde. Dem folgten in den Wochen darauf Gründungen überall im Land, so auch im damaligen Treptow und Köpenick. An die Gründung und die Gründungsmitglieder erinnerte die SPD Treptow-Köpenick mit einer eigenen Veranstaltung an einem der damaligen Gründungsorte im Bezirk – der Christuskirche in Oberschöneweide.
Ostdeutsche müssen selbstbewusster auftreten
Allgemein
Warum ist diese Erinnerungskultur uns so wichtig? Es waren damals Frauen und Männer in der DDR, die den Mut hatten, eine Gesellschaft zu verändern und den Aufbruch in eine Demokratie zu wagen. Sie haben einen Geist belebt, um ein neues Leben zu beginnen. Es ging darum, sich freizumachen, von einer Diktatur und friedlich eine Revolution zu beginnen. Ohne diese wahrhaftige Opposition und die damalige Bürgerrechtsbewegung und die Gründung von neuen Parteien, wäre die erste und letzte freie Wahl zur Volkskammer am 18. März 1990 nicht möglich gewesen. Ohne diesen öffentlichen Druck der Straße, wäre eine spätere deutsche Einheit kaum möglich gewesen.
Aber es ging nicht allein um eine Änderung der Staatsform – politische Ziele, die das Alltagsleben der Menschen positiv beeinflussen, wurden von Anfang an diskutiert. In dem Gründungsdokument, das im Pfarrhaus in Schwante unterschrieben wurde, ist der Grundsatz festgeschrieben, „auf eine ökologisch orientierte soziale Demokratie hinzuwirken“. Die Unterzeichner wollten sich für eine „konsequente Demokratisierung von Staat und Gesellschaft“ einsetzen. Dieser klar programmatische Auftrag konnte zum Teil bereits in wenigen Monaten erfüllt werden, jedenfalls was den Weg zur deutschen Einheit betrifft. Andere Themen wie stärker ökologische Ansätze zu wählen und die Demokratie fest in der Gesellschaft zu verankern, sind und bleiben dauerhafte Aufgaben, die von der Sozialdemokratie immer weiter entwickelt werden müssen.
In der aktuellen Debatte über die Bedeutung des ostdeutschen Freiheitskampfes und die Rolle Ostdeutschlands heute, sollte Dankbarkeit dafür ausgedrückt werden, dass damals diese Schritte gegangen wurden. Einer der Redner bei der Erinnerungsveranstaltung war ein SDP-Mitgründer – der spätere Außenminister Markus Meckel. Er sagte: „Die Ostdeutschen waren nicht nur Teil der friedlichen Revolution, sondern sie haben diese mitgestaltet und die deutsche Einheit ermöglicht. Die DDR ist nicht untergangen, sondern die Diktatur in der DDR. Die Selbstdemokratisierung bis hin zu erster und letzter freier Wahl in der DDR waren erfolgreich. Diese Selbstbestimmung von damals dürfen wir heute nicht vergessen. Die Ostdeutschen müssen viel selbstbewusster auch im 35. Jahr des Mauerfalls auftreten.“ Der Aufbruchsgeist von 1989 und 1990 zeigt, dass Menschen Politik und Gesellschaft zum Positiven verändern können und eine gute Grundlage für die nächsten Generationen legen können. Ohne das Engagement der Parteien wäre diese Entwicklung nicht möglich gewesen – und auch die mahnenden Stimmen vor zu schnellen Entscheidungen haben dazu beigetragen, dass etwas verändert werden konnte.
Auch nach 35 Jahren sind noch viele Mitglieder der ersten Stunde in der SPD aktiv, aber noch mehr sind neu hinzugekommen. „Für uns nach 1989 geborene Menschen ist es wichtig, dass der Aufbruchsgeist der Zeit weiter lebendig bleibt und uns bewusst wird, dass Demokratie zwar ein Geschenk ist, aber uns nicht geschenkt wird. Demokratie musste und muss erstritten und erkämpft werden“, sagte die Treptow-Köpenicker Bundestagskandidatin Ana-Maria Trăsnea. „Ohne den Mut vieler Demokratinnen und Demokraten hätte in den Jahren nach 1989 unser Bezirk nicht komplett umgebaut werden können und hätte bis heute nicht diesen Aufschwung erlebt. Es waren entscheidende Monate für die kommenden Jahre und Jahrzehnte, die Treptow-Köpenick bis heute prägen. Deshalb dankt auch der Bezirk Treptow-Köpenick allen, die damals am Aufbau des demokratischen Gemeinwesens beteiligt waren“, sagte Bezirksbürgermeister Oliver Igel. Schon bald nach den Parteigründungen waren Mitglieder an Runden Tischen, den Vorbereitungen der freien Wahlen und der Aufarbeitung der Folgen des Staatssicherheitsapparates beteiligt. „Wir sollten auch den kommenden Generationen die Geschichte und Geschichten der demokratischen Parteigründungen 1989 weitergeben“, sagte der stellvertretende SPD-Kreisvorsitzende von Treptow-Köpenick, Tom Schreiber.
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