SPD Köpenick-Nord

Zur Debatte über eine Aktausstellung in Köpenick

Kultur

Für Aufsehen sorgte im vergangenen Jahr die Debatte über eine Aktausstellung im Rathaus Köpenick, die nach Protesten von Mitarbeitern im Rathaus abgebaut und von da an im Bürgerhaus Altglienicke gezeigt wurde. Der Künstler empfand dies als Zensur und protestierte dagegen. Debatten im Kulturausschuss und in der BVV folgten. Jetzt wandte sich der Künstler erneut an die Parteien und erbat eine Stellungnahme mit einer Bewertung der damaligen Ereignisse. Meine Antwort auf seinen Brief dokumentiere ich hier.

Sehr geehrter Herr Hiob,

vielen Dank für Ihre Anfrage zur Frage von Aktfotos im Rathaus Köpenick.

Fotoausstellungen gehören seit zwei Jahrzehnten zur Tradition im Rathaus Köpenick, darunter auch Aktfotos. Das soll auch in Zukunft so bleiben. Ich kann mir sehr wohl vorstellen, die von Ihnen genannte Ausstellung von Gerd Rattei oder einem anderen Aktfoto-Künstler zu zeigen. Im Mittelpunkt dieser Frage wird das fotografische Können stehen.

Die Diskussion über Ihre Ausstellung wurde in der Vergangenheit ausführlich geführt. Ich brauche dies nicht wiederholen. Wir waren uns alle einig, dass der Ablauf des Vorgangs mit dem Abhängen von Bildern, der Verlegung der Ausstellung, die mangelnde Kommunikation mit Ihnen als Künstler usw. nicht akzeptabel war und nicht beispielgebend für den Umgang mit Künstlerinnen und Künstlern ist. Ich denke, dass auch die Kuratorinnen und Kuratoren von Ausstellungen in unserem Bezirk nach diesem Vorgang für diese Frage sensibilisiert sind.

Kritik gehört zur Kunst. Und deshalb muss Kunst auch Kritik Ernst nehmen. Deshalb möchte ich auf der anderen Seite die an einzelnen Aktfotos von Ihnen geäußerte Kritik von Beschäftigten im Bezirksamt auch nicht einfach wegwischen und genauso wenig unterdrücken, wie Sie das Gefühl haben, ihre Ausstellung sollte zensiert und verbannt werden. Meinem Kunstverständnis entspricht es nicht, an einem Arbeitsort Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit einer Ausstellung „zwangszubeglücken“, die beim Betrachten der Ausstellung ungute Gefühlen haben, die sich gar belästigt fühlen. Deshalb muss man noch lange nicht die Ausstellung an einen anderen Ort verlegen – aber die Kritikerinnen und Kritiker trotzdem ernst nehmen. Ich würde deshalb nicht, wie Sie es schreiben „eine einzelne Person in die Schranken“ verweisen.

Sie schreiben zurecht von Toleranz und Respekt für die Ausstellung. Ich habe dies in den zahlreichen Stellungnahmen von Ihnen zunehmend vermisst und bin deshalb – nachdem ich anfangs Ihre Kritik unterstützt habe – immer mehr nachdenklich geworden. Sie haben wiederholt die Frauenvertreterin des Bezirksamtes oder „einige Damen“ im Bezirksamt angegriffen. Ich hatte nicht das Gefühl, dass Sie versucht haben, sich in die Empfindungen Ihrer Kritikerinnen und Kritiker hineinversetzen zu wollen. Toleranz und Respekt sind eben keine einseitigen Handlungsweisen. Sie lassen sich auch nicht „anweisen“.

Sie erwähnen, dass die SPD im vergangenen Jahr dem BVV-Antrag zur Freiheit der Kunst nicht zugestimmt hat. Dazu stehe ich. In dem Antrag war davon die Rede, dass „politische Zensur“ verübt wurde. Es war keine „politische Zensur“. Ganz im Gegenteil: die Ausstellung wurde an einem anderen Ort gezeigt und eine zusätzliche öffentliche Veranstaltung zur Diskussion durchgeführt. Im Übrigen kann ein Gremium wie die BVV nicht per Mehrheitsbeschluss feststellen, ob es eine „politische Zensur“ gab oder nicht. Dies wäre Aufgabe der Gerichte. Deshalb war es richtig, dass wir gegen eine solche Formulierung in dem Antrag gestimmt haben.

Ich hoffe, dass es uns auch in Zukunft gelingen wird, künstlerisch gelungene Ausstellungen im Rathaus Köpenick zu zeigen. Dazu gehören für mich genauso Fotoausstellungen, auch Aktfotos. Ich werde mich auch dafür einsetzen, dass dies künftig möglich wird und unterstütze dafür geeignete Künstlerinnen und Künstler bzw. Gruppen.

 

Homepage Oliver Igel

 
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